„Alles veraltet, bevor wir wissen, wie es funktioniert!“

Vor einiger Zeit konnte man lesen (und online kann man es natürlich noch immer), dass Sascha Lobo nur zu 20 % Unsinn rede. Nun wenn ich so überlege, wieviel hahnebüchenen Blödsinn man von vielen einflussreichen Leuten schon gehört hat, finde ich: das ist aber wenig. Die Überschrift über diesem Beitrag stammt von einem Artikel von Anno Fricke in der Ärzte Zeitung vom 21.11.2016 und ist ein Lobo-Zitat.

Nun wenn man dazu neigt ein ganzes Krankenhaus, einen ganzen Verbund oder gleich das ganze Gesundheitssystem digitalisieren zu wollen, ohne recht zu wissen wie/was/wo/wann, dann gerät man direkt in einen Zustand akuter Enscheidungsnot. Und die provokante Aussage hat ja auch ihre Berechtigung, da Neuerungen und Innovationen in immer kürzeren Abständen auf einander folgen. Bei gleichzeitig rasant zunehmender Datenmenge und trotz sich erhöhender Verarbeitungsgeschwindigkeit (gemeint ist Computer-Power) ergibt sich hier leider, dass Prognosen immer schlechter möglich sind und der Zeitbedarf, der erforderlich ist , um tief genug die komplexen Zusammenhänge im Digitalisierungsprozess einzudringen, immer größer wird. Daher ist es ratsam, sich mit kleinen Projekten anhand eigener betrieblicher Erfordernisse allmählich in den Prozess der Digitalisierung hineinzuleben.

Wie wäre es etwa mit einer sauberen Prozessanalyse und -optimierung bei gleichzeitiger Umsetzung in ein digitales Workflow-Management und Visualisierung von Daten und Workflows z.B. in einem Bereich wie Radiologie, CT oder MRT? In einem überschaubaren Bereich eines Krankenhauses also, der häufig genug einen Engpass darstellen kann. Dabei können bereits vorhandene Systeme integirert werden und vorhandene Daten zusammengeführt werden.

Das ist gar kein Unsinn, sondern hilft an einer solchen Stelle die Effizienz zu steigern, Wartezeiten der Patienten zu minimieren und das beteiligte ärztliche und pflegerische Personal zu entlasten. Ein solches Projekt dient also dem Patientenwohl und trägt gleichzeitig dazu bei, Ressourcen für weitere Entwicklungsschritte freizustellen mit der Möglichkeit, das Ruder selbst in der Hand zu behalten. Damit wären wir dann wieder bei Arno Frickes Artikel, dessen Argumentation zwischen der Schlüsselstellung der Ärzteschaft und Zweifeln an ihrer Reformfähigkeit schwankt. Auch hier empfiehlt sich als Mittel der Wahl die Beschäftigung mit den eigenen betrieblichen Abläufen, deren Optimierung bei gleichzeitiger Überführung in ein System zu ihrer digitalen Steuerung und Visualisierung. „Die Datenströme können zu den Ärzten geroutet werden, oder an ihnen vorbei“ zitiert Fricke. Schlage vor, dass sie besser VON Ärzten geroutet werden.

 

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