Vom Schreiben und Bleiben

„Wer schreibt der bleibt“ heißt eine Redensart. Ihre Bedeutung hat sich über die Zeit stark gewandelt. Im aktuellen Verständnis will man wohl klarmachen, dass eine sorgfältige Dokumentation dessen, was man an Gutem bewirkt, von erheblichem Vorteil ist. Für die Sicht auf das Coaching kann das Schreiben viele Dimensionen haben. Die naheliegendste ist möglicherweise eine Coaching-Dokumentation, die wir anfertigen um Ihnen (und Ihren Organisationen) gegenüber Rechenschaft abzulegen.

Aber das ist ja doch eher etwas Administratives und für Sie vielleicht gar nicht so interessant. Spannender wird es schon, wenn wir das Scheiben oder Aufschreiben als Methode sehen wollen, die wir im Coaching einsetzen können. So hat Olaf Georg Klein aufgezeigt, dass das Schreiben im Coaching als Technik der Selbstreflexion gesehen und eingesetzt werden kann und „Dadurch, dass das „nur“ Gedachte niedergeschrieben wurde, ist es dem Vergessen entrissen. Es kann nämlich wieder und wieder gelesen und damit sowohl bewusst erinnert als auch vertiefend eingeprägt werden“ (Klein 2020).

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Auch ist es hilfreich, das Schreiben nicht nur in der konkreten Coaching-Sitzung zu praktizieren, sondern zusätzlich quasi als Brücke von Sitzung zu Sitzung und dadurch als Anreiz zu weiteren Reflexionen zu nutzen. Es ist Standard, die besprochenen Inhalte im Coaching-Gespräch immer wieder zu paraphrasieren. Zusätzlich bitte ich Klient*innen aber gerne, die Ergebnisse einer Sitzung („Was nehmen Sie mit?“) noch einmal in einem 5-Minuten-Protokoll (angeregt durch Nuber 2004) zu Papier (Datei) zu bringen und mir direkt nach der Sitzung zuzuschicken. Das ist ein Aufwand, der selbst denen, die nicht so gerne lange Texte verfassen, als zumutbar erscheint. Es hat aber den schönen Effekt, dass Coach und Coachee etwas Konkretes haben, eine Momentaufnahme, auf die in der folgenden Sitzung Bezug genommen werden kann und die den Nachhall, also die Wahrnehmung, der konkreten, praktischen Ergebnisse aus der Sitzung verstärken kann. Zusätzlich wird deutlich, welche Ergebnisse denn konkret erzielt wurden und gegebenenfalls, welche Ressourcen bereits aktiviert werden konnten. So kann das 5-Minuten-Protokoll auch als kurzfristiges Evaluationsinstrument verstanden werden, das Hilfe dabei leistet, die eigene Qualität im Coaching-Prozess zu überprüfen.

Mir ist vor allem wichtig festzustellen, dass mir das Schreiben auch schon in dem dargestellten geringen Umfang zur Stabilisierung des Coaching-Prozesses (am Ball bleiben), für Qualität und Nachhaltigkeit der Wirkung gute Beiträge zu leisten scheint. Grund genug es weiterzuempfehlen.

Weiter lesen:

Klein, O. G. (2020), Wer schreibt, der bleibt – Wie selbstreflektierendes Schreiben den Coaching-Prozess vertieft und nachhaltiger gestaltet, in: Coaching-Magazin Ausgabe 1|2020 vom 26. Februar 2020.

Nuber, C. (2004), Struktur, Transparenz und Effizienz im Coaching-Prozess durch Dokumentation. In: Rauen, Christopher (Hrsg.): Coaching-Tools. Erfolgreiche Coaches präsentieren Interventionstechniken aus ihrer Coaching-Praxis. Bonn: managerSeminare Verlags GmbH, S. 36-40.

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