Manager oder Engineer – Content-Marketing: Business-Trend und Chance für Queereinsteiger

Es ist eine uralte Marketing-Binsenweisheit, dass jene Relevanz der Schlüssel zur Bindung von Kunden ist, die einem tieferen Verständnis von Kundenverhalten und Konsumklima entspringt. Jedoch, während Kunden(/ User/ Leser (Anm.)) medial immer geselliger werden (social media (Anm.)), und während Geschäfts- und Privatsphären zunehmend konvergieren, verändern sich die Instrumente und Methoden, die wir verwenden um den Zielkunden „kennen zu lernen“ und für Marken/ Produkte zu gewinnen, dramatisch. Und nicht allzu überraschend ist, dass die Anforderungen dieser neuen Generation sozial(-medial)-versierter-Käufer nicht nur eine Evolution der Marketing-Praxis erzwingen, sondern der Marketing-Praktiker selbst. Auf diese Weise entstehe, so ein Beitrag von Pelin Thorogood and Erik Bratt auf contentmarketinginstitute.com, ein neuer Typ Marketer: Der Content Marketing “Engineer”.

 Fortschreitende Medialisierung der Gesellschaft (Becker/Eichhorn/Elben/Mock 2010), found on markenmanagement.wordpress.com

Die Binsenweisheit besteht im Grunde in der Annahme, dass gravierende Veränderungen in den allgemeinen Kommunikationsformen auch Auswirkungen auf Unternehmenskommunikation und Marketing haben. Natürlich ist das so. Und natürlich hat Letzeres auch Konsequenzen für die Arbeitsweise (Techniken), die eingesetzten Tools (Technologien) und damit die Anforderungen an Kommunikations- bzw. Marketingfachleute.

 jpg, used for Content Marketing Tools: The Ultimate List - Curata Blog, Scooped by Coffeemate49, found on http://www.scoop.it

Nicht von ungefähr tauchen in der Personal- und Stellensuche immer häufiger Begriffe auf wie „Marketing Engineer“ oder „Digital Marketing Engineer“ oder der im erwähnten Artikel beschriebene „Content Marketing Engineer“. Es erhebt sich die Frage, welche Skills sich idealerweise in einem solchen „Engineer (m/w)“ zusammenfinden sollen. Die Ähnlichkeit mit der schon lange geläufigen Bezeichnung „Software Engineer“ ist gegeben und es stellt sich die nächste Frage, ob wir es also hier mir einer Art Ingenieur oder Informatiker zu tun haben.

A Software engineer is a person who applies the principles of software engineering to the design, development, maintenance, testing, and evaluation of the software and systems that make computers or anything containing software work. (Wikipedia)

Gefunden auf firstcovers.com, TRUST ME I'M ENGINEER....!

 

Das würde also dem entsprechen, was im deutschsprachigenen Raum auch Software Entwickler heißt – oder in weiterer Spezialisierung Web Entwickler (Web Engineer). Dem steht etwa die kurze Beschreibung des Digital Marketing Engineers entgegen, die ich der gleichen Quelle (eigene Hervorhebungen) entnommen habe:

A digital marketing engineer is a member of a marketing team who applies web technology and digital marketing platforms (such as a website, email system, CMS, CRM, or other software application) for the purpose of achieving marketing business goals. It is a h y b r i d   r o l e involving both marketing and technology knowledge. The need for digital marketing engineers arose as a result of marketing becoming reliant on increasingly sophisticated Internet technology. (Wikipedia)

Danach handelt es sich wohl um ein Berufsbild, das eher auf den Anwender von Marketing-Technologien abstellt, als auf die Entwicklung einer solchen. Und das bedeutet, dass auch das Anforderungsprofil einer entsprechenden Position nach meinem Dafürhalten eher auf eine Marketingfachkraft mit technischem Verständnis als einen Informatiker mit Marketing-Faible zu formulieren ist.

Für die Bezeichnung „Content Marketing Engineer“ sollte also die Konsequenz sein, da es sich wohl auch hier um eine „hybrid role“ handelt, dass er Fähigkeiten aus Content-Erstellung (Redaktion, PR, Werbetext), Marketing (incl. Sales, Marktforschung, Marketinganalyse) und technologisches Verständnis (IT-Projektmanagement, Software-Anwendungen, html-Grundlagen) vereint. Die Erfahrung will nun gleich warnen: hier prallen Welten aufeinander. Denn dies würde bedeuten, dass hier ein Wolpertinger gesucht wird, eine eierlegende Wollmilchsau. Nun, so schlimm wird es nicht gleich sein. Schließlich wachsen genau solche Fachkräfte seit vielen Jahren in den klassischen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen heran (Und wenn es estwas gibt, was diese Medienunternehmen seit ihrer Entsthung können, ist es wohl das was jetzt Content-Marketing heißt.). Aber, Zitat:

Für die Unternehmen ist es in der technisch schnell voranschreitenden Zeit […] unmöglich, die Mitarbeiter hier richtig einzuarbeiten. Also wird auf Mitarbeiter gesetzt, die im Idealfall bereits alles mitbringen.
(Community-Mitglied Hans auf freitag.de)

Unmöglich ist bekanntlich nur Weniges, aber die Eigenschaften einer solchen Fachkraft finden sich nun möglicherweise nur in einer solchen sehr kleinen Gruppe – einer kleinen Schnittmenge, geschaffen durch Ausbildung, Berufserfahrung und persönliches Interesse. Nun könnte eine daraus resultierende Persolnalknappheit (gerne Fachkräftemangel genannt) eigentlich erhebliche Chancen für Querein- und -übersteiger aus den genannten Bereichen bieten. Das allerdings erfordert Mut auf allen Seiten (des Personalauswahlprozesses).

Online-Marketing, gefunden auf freitag.de, onlikes.de

 

In einer Analyse fand ich einige Hinweise darauf, welche Eigenschaften Arbeitgeber z.B in einer/-m Kandidatin/-en „Content Marketing Manager“ (m/w) zu finden hoffen:

Key Findings
Forty-eight percent of employers sought candidates with marketing degrees, but many also requested degrees such as communications, journalism and English.
Nearly half of employers wanted candidates to have at least three to five years of professional work experience, with the majority preferring marketing experience.
Employers want a content marketing manager to have a wide range of skills, but most listings (68 percent) placed a premium on writing and editing skills.

Mit anderen Worten: der technische Kenntnisbereich wird hier als weniger bedeutend empfunden, während eine akademische Ausbildung „Marketing“ öfter „required“ ist, gefolgt von Abschlüssen in Sprache, Literatur, Kultur und Kommunikation. Was die berufliche Vorerfahrung betrifft, scheinen hier alle Bereiche interessant zu sein, vor allem aber starke „writing and editing skills“. Einige wollen SEO Gurus oder Keyword-Tracker. Wieder andere suchen Daten-Freaks oder Marketer mit Design-Verständnis oder Kampagnen-Manager aus der Welt der Marketing-Automationsplattformen. Dies stellt dann aber wieder die Nähe zum „Content Marketing Engineer“ her.

Was soll man daraus schließen? Nun einerseits ist der Bereich Content-Marketing ein Betätigungsfeld für Fachkräfte, die hohe Bildungsabschlüsse haben, zum Weiteren Berufserfahrung aus Text oder Marketing vorweisen können und zusätzlich analytisch und in technischen Sphären unterwegs sind. Das hatten wir doch gerade erst und wie gesagt: es ist selten, wenn die betreffende Person auch noch ein kommunikationsstarker Teamplayer und gleichzeitig analytischer Daten-Freak sein soll. Fortbildungen zum Füllen von Wissenslücken gibt es allerdings. Vom Wochenendseminar über mehrtägige, -wöchige, -monatige, -semestrige usw. Seminare bis zum Studium mit Universitäts-Zertifikat ist einiges verfügar – gegen Obolus. Allen Gemeinsam ist mehr oder weniger der Inhalt, der sich in unterschiedlicher Betonung so ungefähr mit folgendem auseinandersetzt: Cross-Commerce,  Cross-Media-Werbung, SEO Grundlagen (on/ off page), Google AdWords, Schreiben fürs Web/ Storytelling, Social Media Grundlagen, Social Media Strategie, IT-(Agiles)Projektmanagement, IT-Recht, Webanalysen mit Google Analytics, Reportings, Kommunikationsfähigkeit/ Soft-Skills. So etwa (u.v.a.m.). Im Zweifel muss man aber das Risiko eingehen wollen und sich die erforderlichen Skills selbst aneignen. Dann muss es anschließend nur noch einer glauben. Alles andere ist Training-on-the-Job.

Ob nun Engineer oder Manager (immer m/w), attraktiv scheint das Betätigungsfeld auf jeden Fall zu sein. Wenn man den 25 Hot skills of 2014 glauben darf, dann ist ein Großteil in der Nähe des Content Marketing Engineering/ Management angesiedelt.

Die Berufschancen scheinen ebenfalls stetig zuzunehmen, wenn man diesen Aussagen Vertrauen schenken will:

35% of businesses have a documented content strategy
42% of businesses will publish new content at least weekly
55% of businesses will increase their content marketing spend in the next year

Zum Schluss noch eine Frage: Welcher Marketing-Bereich belegt doch gleich unter den von wordstream.com behaupteten „14 Marketing Skills to Add to Your Resume in 2015“ den ersten Platz?

Was erforderlich ist, um Content Marketing Engineer u.Ä. zu werden, haben Thorogood and Bratt ja nun auch in oben genanntem Beitrag verkündet. Für den Manager gilt ähnliches. Also los, nur Mut. Erfahrungen zusammenfassen, Wissenslücken füllen, Chancen nutzen.

Advertisements

Facebook, Marketing mit Bildern

Lohnt es sich, Geld in seine Facebook-Ads zu investieren? Welche Eigenschaften sollten Bilder auf der Plattform erfüllen? Diese Fragen zu beantworten bemüht sich auf onlinemarketing.de:

Wissen, was deinen Lesern gefällt und was nicht.
Auch aus den Misserfolgen solltest du Lehren ziehen.
[…] das Bild [ist] nicht das einzige […], was bei deinem Post stimmen muss.
Fasst Sellin zusammen.

Was aber hinter diesen Weisheiten wirklich steckt, lesen Sie bei onlinemarketing.de unter: Facebook-Marketing: Worauf solltest du bei deiner Bildwahl achten?

Wieder stark im Trend: Kombination Online-Marketing und Außenwerbung

In einer Zeit, in der scheinbar nichts stärker dominieren will, als die voraneilende Digitalisierung aller Lebensbereiche – und da sticht vor allem die Geschäftswelt hervor – scheint es erwähnenswert und gar überraschend, wenn Marketer auf klassische Werbemittel zurückgreifen. So wurde ich kürzlich auf einen Beitrag aufmerksam gemacht (Danke Martin!), in dem sich der Autor erstaunt darüber gibt, dass insbesondere Start-Up-Unterrnehmen auf Plakatwerbung zurückgreifen: „Plakatwerbung dürfte mehr als ein Hype sein!“ wundert sich Alexander Hüsing (27. 02. 2015, deutsche-startups.de).

helpingNun, niemand hat behauptet, dass klassische Werbung nicht mehr funktioniert. Vielleicht ist Plakatwerbung keine „moderne“ Werbeform. Aber warum sollten Start-Ups nicht das Richtige tun, wenn es geboten ist? Auch wenn Neugründungen heute nicht ohne eine starke Betonung des Online-(oder E-)Marketing-Mix auskommen werden, gibt es wenige Gründe anzunehmen, dass eine gute Mix-Gestaltung nicht Online-Strategien und klassische Werbeformen und Werbeträger intelligent integriert. Besonders wenn ein starker lokaler oder regionaler Bezug das Geschäftsmodel kennzeichnet, sind solche Werbeträger gefragt, die in der Lage sind, vor allem lokale/ regionale Zielgruppen zu aktivieren.

Plakatwerbung streut sehr stark, ist aber eben very local (fokussiert also lokale/ regionale Segmente) und  bietet vor Ort hohe Reichweite und schnelle und zielgerichtete Kommunikation. Wenn ich also ein lokales Angebot habe (Essenslieferdienst, Putz-Plattform, Einkaufsservice, Wäschedienst), das sich lokal/ regional an viele Alters- oder Einkommenssegmente richtet und schnelle Durchsetzung erreicht werden soll, hier sogar mit konkreter und sofortiger Aktivierung (Rabattgutschein einlösen, Essen testen, Marke kennen), ist Plakatwerbung das Mittel der Wahl.

Das mus jetzt niemanden ins Staunen versetzen (Redakteure berufsbedingt vielleicht schon 😉 ), sondern weist allenfalls darauf hin, dass da jemand sein Handwerk versteht. Mag sein, dass das erstaunlich ist. Keine Ahnung. Also, lokal business, das schnell möglichst alle Alterssegmente erreichen soll, um schnell breite Markenbekanntheit zu erreichen: Plakatwerbung – je nach Alterssegment gestützt durch Anzeigen in regionalen Printmedien mit Verweis auf Handlungsmöglichkeiten (Telefon, Smartphone, xyPad, PC und INTERNET) auch wenn dies den einen oder anderen Medienbruch bedeutet.

Entscheidend ist schließlich kreative Gestaltung, die einerseits die flüchtige Rezeptionssituation berücksichtigt, aber auch Wear-Out-Effete antizipiert. Und richtig ist auch, bei neuer Marke (Start Up) ein großes Budgtet für eine solche Maßnahme zu planen (Big Bang-Effekt, quasi: Stadt zuplakatieren), weil´s sonst doch keiner merkt. Problematischer wäre sicher, ein Plakat irgendwo am Rande einer Datenautobahn aufzustellen.

DOOHDigital-Out-of-Home: Es wundert nicht, dass der Werbeträger mit 9 % Zuwachs gut in die Zeit passen will.

Für mich sieht es so aus, dass diese Gründer verstehen, dass Geschäft immer einen Ort braucht an dem es geschieht, an dem sich der Kunde aufhält und an dem sich Fulfillment konkretisieren muss. Wie wahr und richtig das wohl ist, erfahren wir von Annette Speck in ihrem Beitrag „Außenwerbung im Aufwind“ (, springerprofessional.de) in dem heraussticht, dass neben digitalen Werbeträgern auch das Tortenstück des Out-of-Home-Marktes aus dem Werbekuchen der Zukunft größer abgeschnitten werden muss.

Die digitalen Wolkenkuckucksheime geplatzter Internetblasen sind vielfach nur noch Erinnerung, die Zukunft gehört denen, die es verstehen, ihr lokal und regional wirksames Business mit gut kombiniertem, digital-klassischem Marketing-Mix nach vorne zu bringen. Das allerdings war vor den Zeiten des Dotcom-Hypes schon wahr und richtig.