Digitale Prozessoptimierung im Gesundheitswesen – Zeit zu handeln

Zugegeben: Verantwortliche Entscheider im Gesundheitswesen haben es nicht leicht. Ihre Aufgabe ist es, etwa in Krankenhäusern, stets für die optimale Steuerung aller Prozesse zu sorgen. Dabei geht es in erster Linie darum, eine medizinische Gesamtversorgung sicherzustellen und eine qualitativ hochwertige, menschlich zugewandte Pflege zu gewährleisten. Der dritte – nicht minder entscheidende – Aspekt ist die wirtschaftliche und organisatorische Effizienz, die diese hohen medizinisch-pflegerischen Leistungen ermöglichen muss.

Angesichts steigenden Kostendrucks und zunehmender Personalknappheit im Gesundheitswesen (Siehe hierzu z.B.: Andreas Toller, wiwo.de, 21. September 2016) kann die Stabilität dieses Kräftedreiecks jedoch leicht in Gefahr geraten. Lange Wartezeiten und verschobene Behandlungen sind die ersten Symptome, die auf ernsthafte Störungen im Klinikprozess hinweisen. Was geschieht, wenn jetzt noch Liquiditätsprobleme hinzukommen, will man sich eigentlich nicht ausmalen? Muss mman auch nicht – haben doch trotz leichter Besserung 2015 viele Krankenhäuser erhebliche wirtschaftliche Probleme gehabt.

So weit muss es aber nicht erst kommen, wenn auf verantwortlicher Ebene rechtzeitig Maßnahmen getroffen werden, die zu Personalentlastung und Effizienzsteigerungen führen. Was das für Maßnahmen sein können, liegt in einer Zeit in der allerorten von Digitalisierung gesprochen wird, eigentlich auf der Hand. Leider bestehen häufig innere Widerstände gegen zur Verfügung stehende Technologien, die ,wenn sie nicht ernst genommen werden, zu gefährlichen Verzögerungen im Entscheidungs- und Umsetzungsprozess führen.

Abbildung: Navigator, ferag AG
Digitale Prozesssteuerung im Krankenhaus: schon jetzt keine Zukunftsmusik mehr.

Nun, aber welche Technologien sind denn überhaupt im Gespräch? Stichworte wie digitale Patientenakte oder der gläserne Patient geistern regelmäßig durch die Presse. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich die eine oder andere Möglichkeit Patientendaten vollständiger zu halten, große Datenmengen besser zu strukturieren und letztendlich auch das Papierzeitalter zu verlassen. Gerne dienen diese Begriffe dem publizierenden Gewerbe auch als Schreckgespenst (gläserner Patient), das für die eine oder andere Schlagzeile herhalten muss 😉

Ein Technologiebereich, der eher selten genannt wird, ist das weite Feld der Prozessoptimierung und digitalen Prozesssteuerung bis hin zur Visualisierung komplexer Planungsabläufe. Das ist ganz zu Unrecht der Fall, denn – während die einen noch mit Positionspapieren und PowerPoint-Slides beschäftigt sind – haben namhafte Unternehmen bereits gezeigt, dass mit soliden und bewährten Lösungen zur Steuerung komplexer Workflows auch im Krankenhaus signifikante Effizienzsteigerungen erzielt werden, was im übrigen auch am ehesten mit den Wünschen von Patienten in Einklang zu bringen (siehe BearingPoint-Studie „Digitalisierungstrends im
Krankenhaus
“) und damit sicher auch in ethische Hinsicht der richtige Weg ist. In erster Linie finden diese Technologien Anwendung im Bereich hochpreisiger Investitionsgüter für OP, Diagnostik (CT/ MRT), Therapie (LINAC) und Reha. Aber auch in den Bereichen, Engpassmanagement, Endoskopie, perioperative Prozessoptimierung u.V. m. finden sich Einsatzfelder. Die digitale Steuerung einer kompletten Krankenhauslogistik mag noch wie Zukunftsmusik klingen, ist aber mit diesen Mitteln doch nur einen – konsequenten – Schritt entfert.

Weiterlesen:

https://www.bearingpoint.com/de-de/ueber-uns/pressemitteilungen-und-medienberichte/pressemitteilungen/digitalisierung-im-krankenhaus-verfehlt-patientenwuensche/

http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/gesundheitspolitik-kostendruck-und-personalmangel-im-gesundheitswesen-nehmen-zu/14577880.html

https://www.rolandberger.com/publications/publication_pdf/roland_berger_krankenhaus_restrukturierung_20160727.pdf

https://mlp-ag.de/presse/gesundheitsreport/

http://www.conhit.de/media/cit/cit_dl_vortraege/archiv_vortraege_2016/Schneider_Hennig_-_Krankenhaus_4_0_Das_digitale_KH_Praesentation_2016.pdf

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„Alles veraltet, bevor wir wissen, wie es funktioniert!“

Vor einiger Zeit konnte man lesen (und online kann man es natürlich noch immer), dass Sascha Lobo nur zu 20 % Unsinn rede. Nun wenn ich so überlege, wieviel hahnebüchenen Blödsinn man von vielen einflussreichen Leuten schon gehört hat, finde ich: das ist aber wenig. Die Überschrift über diesem Beitrag stammt von einem Artikel von Anno Fricke in der Ärzte Zeitung vom 21.11.2016 und ist ein Lobo-Zitat.

Nun wenn man dazu neigt ein ganzes Krankenhaus, einen ganzen Verbund oder gleich das ganze Gesundheitssystem digitalisieren zu wollen, ohne recht zu wissen wie/was/wo/wann, dann gerät man direkt in einen Zustand akuter Enscheidungsnot. Und die provokante Aussage hat ja auch ihre Berechtigung, da Neuerungen und Innovationen in immer kürzeren Abständen auf einander folgen. Bei gleichzeitig rasant zunehmender Datenmenge und trotz sich erhöhender Verarbeitungsgeschwindigkeit (gemeint ist Computer-Power) ergibt sich hier leider, dass Prognosen immer schlechter möglich sind und der Zeitbedarf, der erforderlich ist , um tief genug die komplexen Zusammenhänge im Digitalisierungsprozess einzudringen, immer größer wird. Daher ist es ratsam, sich mit kleinen Projekten anhand eigener betrieblicher Erfordernisse allmählich in den Prozess der Digitalisierung hineinzuleben.

Wie wäre es etwa mit einer sauberen Prozessanalyse und -optimierung bei gleichzeitiger Umsetzung in ein digitales Workflow-Management und Visualisierung von Daten und Workflows z.B. in einem Bereich wie Radiologie, CT oder MRT? In einem überschaubaren Bereich eines Krankenhauses also, der häufig genug einen Engpass darstellen kann. Dabei können bereits vorhandene Systeme integirert werden und vorhandene Daten zusammengeführt werden.

Das ist gar kein Unsinn, sondern hilft an einer solchen Stelle die Effizienz zu steigern, Wartezeiten der Patienten zu minimieren und das beteiligte ärztliche und pflegerische Personal zu entlasten. Ein solches Projekt dient also dem Patientenwohl und trägt gleichzeitig dazu bei, Ressourcen für weitere Entwicklungsschritte freizustellen mit der Möglichkeit, das Ruder selbst in der Hand zu behalten. Damit wären wir dann wieder bei Arno Frickes Artikel, dessen Argumentation zwischen der Schlüsselstellung der Ärzteschaft und Zweifeln an ihrer Reformfähigkeit schwankt. Auch hier empfiehlt sich als Mittel der Wahl die Beschäftigung mit den eigenen betrieblichen Abläufen, deren Optimierung bei gleichzeitiger Überführung in ein System zu ihrer digitalen Steuerung und Visualisierung. „Die Datenströme können zu den Ärzten geroutet werden, oder an ihnen vorbei“ zitiert Fricke. Schlage vor, dass sie besser VON Ärzten geroutet werden.