Zeitungsbranche: Aufbruchstimmung statt Agonie

Print ist tot? Nicht so schnell. Diese Frage schwebt zwar seit dem Hereinbrechen der Internet und Social Media Wellen im Raum und sie wird immer wieder gerne gestellt. So konnte man in letzter Zeit allerlei Vermutungen – auch in Form von durchsetzungsstarken Schlagzeilen – zur Kenntnis nehmen von einem trotzigen „In 10 Jahren ist Google tot“ (5 sind noch übrig) bis zum gewagten „2034 wird die letzte Zeitung gedruckt“. Bei Forbes.com wurde nun gestern die Lebendigkeit und Stärke gedruckter Medien erneut bestätigt.

Während viele Printkunden mit ihren Werbeaktivitäten wegen Kostenwirksamkeit, potentieller Medienpräsenz und -verbreitung und der bequemen Handhabung ganz ins Web abgewandert sind, erhält Print doch noch seine Position als ein starker und notwendiger Bestandteil von Anzeige-Kampagnen aufrecht, so Newtec, Cotributor bei Forbes.com. Er wirft einen näheren Blick auf Druckmedien und ihre Vorteile, die sie gegenüber den digitalen Mitstreitern besitzen.

Und so herrschte hier in heimischen Gefilden wohl auch Aufbruchstimmung unter den Verlegern, Chefredakteuren, Vermarktern und Werbungtreibenden, die am 26. Juni auf dem 1. Zeitungsgipfel 2012  die Zukunftsperspektiven der Zeitung ausloteten. Das wird sich dann zweifellos positiv auf die Innovationsfreude der Branche auswirken.

Lesen: „Print is Dead? Not so Fast.“ (englisch) bei www.Forbes.com

Lesen: „Digitale Aufbruchstimmung“ (deutsch) bei www.die-zeitungen.de

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Neue Technologien für schnelle Info-Dschungel-Scouts

Die Einflußfaktoren der redaktionellen und journalistischen Arbeit sind in Bewegung. Wenn ich es richtig beobachte, ist es – natürlich neben einer stets veränderlichen allgemeinen Nachrichtenlage – vor allem die wachsende Informationsmenge (im Internet in der Regel allzeit zugreifbar), aus der die relevante Information extrahiert und, unter den jeweils herschenden ökonomischen Rahmenbedingungen, zu einer qualitätvollen Publikation verarbeitet werden soll.

Informationsmenge - ökonomischer Rahmen - journalistische Qualität

Schnelligkeit und noch mehr Genauigkeit sind für Wolfgang Büchner, Chefredakteur der Nachrichtenagentur dpa, wichtige Kompetenzen im digitalen Zeitalter: Denn längst sei das Netz zu einem Dschungel aus Informationen geworden. Deshalb spielten Orientierung und Auswahl eine herausragende Rolle. Je dichter der Informationsdschungel werde, desto wichtiger der Scout der durch diesen Dschungel führt und dem Kunden einer Nachrichtenagentur (Verlage, Medienunternehmen) hilft die relevanten Informationen zu identifizieren. (Interview mit Wolfgang Büchner, Deutschlandfunk, Debattenportal „diskurs.dradio.de)

Wolfgang Büchner @Diskurs from kooperative-berlin“ on Vimeo

Die ersten Verlage und Nachrichtenagenturen haben daher begonnen, Kategorisierung und Extraktion von Inhalten mit Hilfe semantischer Technologien zu automatisieren, dadurch redaktionelle Prozesse effizienter zu gestalten und  Workflow-Clients Informationen in einheitlicher Form bereitzustellen, was zu einer Senkung der Kosten für bisher manuelle Kategorisierung und Beschleunigung der redaktionellen Prozesse führt. In vielen Betrieben sollen Einsatz- und Bearbeitungszeiten verringert werden und Kategorisierungen darüber hinaus an internationale Standards angepasst werden.

Um die Effizienz der Zusammenstellung und Kategorisierung von Inhalten zu erhöhen, empfiehlt es sich, mit Hilfe semantischer Technologien einen Prozess zu implementieren, der beginnend mit der Analyse und dem „Verstehen“ von Wörtern, Begriffen und Sätzen in einer nächsten Stufe Themen identifiziert, die in einem Text besprochen werden. Abschließend weist er mit großer Präzision jedem Beitrag eine oder mehrere Kategorien zu, indem er die einschlägigsten von 1.200 Kategorien des internationalen IPTC-Standards auswählt ( IPTC = International Press Telecommunications Council, Weltverband von Nachrichtenagenturen und Zeitungen für die technische Normierung des Nachrichtenaustausches). Diese Schritte stellen sicher, dass Inhalte dann so organisiert sind, dass sie für weitere Recherchen und Bearbeitungen leicht abgerufen werden können.

MJA

Unternehmen stellen sich dem Datenchaos

Datenchaos, klingt das zu negativ? Im Grunde ist hier eine Daten- oder Informationsmenge, eine Dokumenten-Menge gemeint, die mit den bisherigen Recherche-Möglichkeiten und Managementprozessen nicht zufriedenstellend bewältigt werden kann. Aus Sicht von Unternehmen1  und Anwendern sind Informationsfluten Erfolgshindernis und Quelle für Ineffizienz – die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Aus unserer Sicht sind sie eher Herausforderung – eine Schatzinsel mit einem Dschungel aus Informationen oder ein im offenen Meer gesunkenes Schiff. Es gibt keine Schatzkarte, jedoch gibt es semantische Technologien, mit deren Hilfe wir das Terrain (Datenquelle, WWW) durchpflügen können (etwa mit Crawler-Techniken) den Schatz identifizieren (automatische linguistische Analyse) und ihn heben (durch automatische Kategorisierung nach IPTC-Standard zum Beispiel).

Knowledge-Worker unter Druck: Effizientes Arbeiten wird ohne effizientes Knowledge-Management zum Alptraum
Daten sind an unterschiedlichen Orten vorhanden, jedoch ohne einfache Zugriffsmöglichkeit. Anwender haben unterschiedliche Kanäle zum interagieren, benötigen aber schnellere und bessere Antworten/ Ergebnisse. Akteure kommunizieren über eigene Kanäle,um im Sinne eigener Interessen zu Beeinflussen.

In Unternehmen liegen strategische Daten vor allem in nicht-strukturierter Form vor, wie etwa Nachrichten, Artikel, Web-Seiten (Wettbewerber-Websites) und spezifische Dokumente (Patente, interne Memos) und Vieles mehr. Mit „nicht-strukturiert“ ist dabei auch gemeint, dass diese Texte vielfach nicht in Datenbanken organisiert aufgefunden werden können.

Wie soll man also der heranrauschenden Datenfluten Herr werden? Problematisch ist schließlich, dass herkömmliche Systeme und Work-Flows (wie keyword-basierte Suchmaschinen und andere Instrumente zum Abruf von Information) zur Verarbeitung nicht-strukturierter Informationen nicht den Inhalt, das heißt die Bedeutungen von Aussagen in einem Text, berücksichtigen. Sie erweisen sich daher in der Regel als ineffizient für die Analyse großer Textmengen, weil sie nicht im Stande sind zu verstehen, was in einem Dokument diskutiert wird und sind damit nicht in der Lage relevante von irrelevanten Daten zu unterscheiden.

Semantische Technologien fokussieren die Bedeutungen von Begriffen und besitzen die Fähigkeit, sich auf den Inhalt (Themen, Konzepte, nennenswerte Informationseinheiten wie Namen, Orte, inhaltliche Schwerpunkte) zu konzentrieren, unabhängig davon, wie dieser zum Ausdruck gebracht wird. Daher gewährleisten diese Technologien Such-, Rechercheprozessen2  und ebenso Forschungsprozessen3 eine höhere Effektivität und Effizienz.

MJA

1 Aktuell entwickeln sich besonders in folgenden Branchen Anwendungsbereiche für semantische Technologien: Anti-Counterfeiting, Life Science, Pharma, Nachrichtenagentur, Tageszeitung, Verlag, Internetportal, Anzeigen, Werbung, Automotive, Telekommunikation, Mobile, Energy, Finance.
2 facettierte Suchanwendungen und SAO-Zusammenhang (SAO = subject-action/verb-  object relation
3 zum Beispiel Marketing-und Wettbewerbsforschung